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Bewässern

Durchspülen – Ich besitze zwei Hydropflanzen, die so groß sind, dass ich sie nicht mehr in der Badewanne durhspülen kann (Ranke am Wuchsstock ca. 2 m hoch und an der Wand festgebunden). Was mache ich dann?

Nach neuerer Versuchserfahrung hat sich die Empfehlung zum Durchspülen der Gefäße gewandelt. Dies ist nur noch bei einem akuten Fehler (Überdosierung, Verschmutzung der Nährlösung durch Getränkereste etc.) sinnvoll. Im Regelfall kann darauf verzichtet werden. Wichtig ist in diesem Falle, dass die natürliche Aufwärtsbewegung der Salze und das Auskristallisieren an der Substratoberfläche gefördert wird. Dies erreicht man dadurch, dass Wasser oder Nährlösung nur an einer Stelle eingefüllt wird. Die sich oben ablagernden Salze lassen sich durch Austauschen der obersten Blähtonschicht in größeren Zeitabständen leicht entfernen. Auf diese Weise werden Ballastsalze aus dem Gießwasser ebenso entfernt, wie unverbrauchte Nährstoffe.

Geschlossene Bewässerung – Ich habe einen Gartenbaubetrieb und würde gerne auf geschlossene Bewäserung um- stellen! Aber ich wollte doch vorher die Vor- und Nachteile in Erfahrung bringen! Ich würde mich freuen wenn Sie mich einwenig aufklären könnten!

Ihre Frage lässt sich leider nicht mit wenigen Sätzen beantworten. Ich möchte Ihnen deshalb raten, sich zunächst mal die Broschüre "Geschlossene Bewässerungsverfahren" von 1998 zu studieren. Wenn dann noch konkrete Fragen auftreten, stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.

Regenwasser – Ich gieße meine Hydro-Pflanzen mit Regenwasser. Mit welchem Dünger erziele ich die beste Nährstoffversorgung?

Die Verwendung von Regenwasser zur Bewässerung von Pflanzen in Innenräumen, gleichgültig ob Hydrokultur, Seramis oder Torfkultur, ist nicht unproblematisch. Dies liegt daran, dass die im Handel angebotenen Düngemittel für Endverbraucher für die Kombination mit salzfreiem Gießwasser nicht geeignet sind. Die Erklärung ist vielschichtig: Der Einsatz von Ionenaustauscherdünger (z.B. Lewatit) setzt eine gewisse Salzmenge im Gießwasser voraus, damit der Ionenaustausch funktioniert.

Der Hersteller von Lewatit HD5, die Firma Bayer/Leverkusen, hat dieses Problem erkannt und für weiche salzarme Gießwässer das "Lewatit HD5 plus" entwickelt. Dieser Ionenaustauscher-Dünger enthält zusätzlich ein natürliches Mineral, das den Ionenaustausch fördert und für eine zusätzliche Kalzium- und Magnesium-Versorgung sorgt. Allerdings ist dieser Dünger für salzfreies Wasser, also Regenwasser, nicht geeignet. Zwar werden auch in salzfreiem Wasser deutlich mehr Nährstoffe freigesetzt, der Ionenaustauscher bindet aber nahezu das gesamte Kalzium, Magnesium und Sulfat, so dass den Pflanzen diese unverzichtbaren Nährelemente fehlen. Flüssigdünger werden fälchlicherweise häufig als Alternative für salzarme Gießwässer angesehen. Sie sind aber gerade für diesen Einsatzbereich auch nicht geeignet. Flüssigdünger enthalten nämlich keine nennenswerten Mengen an Kalzium und Magnesium. Aus technischen Gründen können beide Nährelemente in konzentrierten Stammlösungen nicht enthalten sein. Außerdem enthalten Flüssigdünger vergleichsweise hohe Ammonium-N-Anteile, die in Kombination mit salzarmem Gießwasser zu einem starken Abfall des pH-Wertes der Nährlösung führen, was die ohnehin schlechte Kalziumversorgung nochmals verschlechtert. Ebenfalls für weiches Gießwasser entwickelt wurde die "Blusana-Düngetablette".

Als zusätzliche Komponente enthält dieses Düngemittel eine gewisse Menge Kalzium in Form von Ca-Sulfat, also Gips. Für Regenwasser ist die enthaltene Kalziummenge allerdings viel zu niedrig.Außerdem enthält der Dünger Ammoniumstickstoff, was den bereits erwähnten Abfall des pH-Wertes bewirkt. Wie düngt man Hydrokulturen nun richtig mit Regenwasser. Immerhin werden im Produktionsgartenbau erfolgreich Pflanzen mit Regenwasser kultiviert. Aus den oben angeführten Gründen lassen sich zwei Anforderungen an die Zusammenstellung einer Nährlösung ableiten: Es muss die Kalzium-Versorgung sichergestellt und Mineralstickstoff darf nicht als Ammonium verabreicht werden.

Die Nährlösung wird in diesem Fall aus zwei Komponenten zusammengestellt: Kalksalpeter (0,45 g/Liter) und "Flory Basisdünger 1" (0,35 g/Liter). Über den Kalksalpeter erhalten die Pflanzen Kalzium (Ca) und Nitrat-Stickstoff und über den Basisdünger alle übrigen Nährstoffe, wie Kalium, Phosphat, Magnesium, Schwefel und alle Spurenelemente. Beide Düngemittel können, allerdings jeweils getrennt (!), als Stammlösung in 100-facher Konzentration angesetzt und dann für die Herstellung der Nährlösung 1:100 verdünnt werden. Dies ist die einzige Möglichkeit einer optimalen Düngung in Kombination mit Regenwasser.  Kalksalpeter ist stark hygroskopisch und zerfließt, wenn er Luftfeuchtigkeit ausgesetzt ist. Das Gefäß muß unbedingt luftdicht verschlossen sein.

Sauerstoffgehalt – Kann man durch Anreicherung des Gießwassers mit Hilfe einer Luftpumpe bzw mit Sauerstofftabletten das Wachstum verbessern?

Frisch gezapftes Gießwasser ist in der Regel nahezu mit Sauerstoff gesättigt. Eine weitere Sauerstoffzufuhr wird deshalb ohne Wirkung sein. Mit Sauerstofftabletten (aus der Aquaristik?) liegen keine Erfahrungen vor.

Wasserhärte/ph-Wert – Unser Wasser (Essen/Ruhr) hat hohe pH-Werte (7,2 - 7,9) bei niedrigsten Härtegraden (max. I). Wie ist die optimale Nährlösung für solche Verhältnisse? Der von Ihnen für niedrige Härtegrade empfohlene Lewatit HD 5 plus ist im hiesigen Handel nicht vorrätig und ich habe ihn auch auf der Bayer-Homepage vergeblich gesucht.

Der pH-Wert des Gießwassers darf nicht überbewertet werden. Er hängt nicht nur vom Gehalt des Wassers an Hydrogenkarbonat-Ionen (Säurekapazität bzw. Karbonathärte) ab, sondern wird auch nennenswert von dem CO2-Gehalt des Wassers bestimmt. Bei weichem, schwach gepufferten Wasser wird der pH-Wert durch geringe Einflüsse sehr stark, sowohl nach oben als auch nach unten beeinflusst, ohne dass dies von Bedeutung wäre. Entscheidend für die Pflanze ist der pH-Wert, der sich nach Düngerzusatz einstellt. Kurzfristig wird dieser im wesentlichen durch die Phosphatkonzentration (Phosphatpuffersystem) und mittel- und langfristig durch die Mineralstickstoffform (Ammonium oder Nitrat) bestimmt.

Relativ weiches Gießwasser erfordert eine besondere Düngung. Der normale Ionenaustauscherdünger "Lewatit" ist in diesem Fall nicht zu empfehlen. Hier muss auf jeden Fall "Lewatit HD5 plus" eingesetzt werden. Dieses Düngemittel ist im Handel auch unter der Bezeichnung "Blusana" erhältlich. Man kann beide Düngemittel leicht voneinander unterscheiden. Lewatit plus enthält neben den runden Perlen des Ionenaustauschers deutlich sichtbare unregelmäßig geformte Mineralstoffpartikel. Ich muss leider bestätigen, dass es weder bei dem Hersteller von Lewatit (Bayer AG) noch bei dem Vertreiber des Produktes Blusana (Firma Lenz) eine qualifizierte Information darüber im Internet gibt.

Wassertemperatur – Beim Düngerwechsel meiner 20 Jahre alten Strelizie habe ich festgestellt, dass die Wassertemperatur erheblich oberhalb der Zimmertemperatur lag. Was kann die Ursache sein und sind negative Folgen zu befürchten?


Eine im Vergleich zur Zimmertemperatur höhere Nährlösungstemperatur im Gefäß kann in der Regel durch zwei Gründe verursacht werden: Einfluss durch Heizung (Heizkörper oder Bodenheizung) oder durch direkte Sonneneinstrahlung. Gegen den Einfluss der Heizung kann man das Gefäß ggf. durch eine isolierende Schicht (Styroporunterlage etc.) schützen.

Sofern das Gefäß direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, wirkt sich dies besonders stark bei dunklen Gefäßen aus. Ob die Temperaturerhöhung zu Pfanzenschäden führt, hängt außer von der Höhe der Temperatur auch sehr stark von der Pflanzenart ab. Die Empfindlichkeit von Strelizien ist mir allerdings nicht bekannt. Temperaturen über 40° C sollten jedoch auf jeden Fall vermieden werden.